Willkommen! – Ein Bericht aus der Villa Konfetti

Willkommen! – Ein Bericht aus der Villa Konfetti

Seit über vierzig Jahren bin ich beruflich damit beschäftigt, kleine, noch weitestgehend gruppenunerfahrene Menschen bei ihren Schritten in einen neuen Lebensabschnitt zu begleiten und zu unterstützen. Manche kommen aus der Krippe zu uns, andere von Tagesmüttern und viele aus der familiären Betreuung.

Alles ist für alle neu und fremd – und Erzieherinnen, Kinder und Eltern stehen vor einer gewaltigen Aufgabe. Die Neulinge kommen in eine völlig neue Umgebung, bewältigen auf unterschiedliche Weise den Abschied von lieb gewonnenen Personen und müssen erneut Beziehungen zu erwachsenen Bezugspersonen und Kindern verschiedener Altersstufen aufbauen. Eltern müssen sich von ihren Kindern trennen und Erzieherinnen ihr „Liebstes“ anvertrauen. Diese Erzieherinnen wiederum sind gefordert, sich auf die neuen kleinen und großen Besucher der Kita offen, einfühlsam und vorurteilsfrei einzustellen.

In dieser komplizierten Phase wären alle Beteiligten ohne Vertrauen und Zuversicht verloren! Die Erfahrung zeigt uns, dass ausnahmslos jede Aufnahme neuer Menschen in die Gemeinschaft gelingen kann, wenn die Grundregeln des Miteinanders bekannt sind und verstanden werden:

  • Wir verwenden viel Zeit darauf, uns gründlich kennen zu lernen.
  • Wir hören einander aufmerksam zu, auch wenn es kritisch wird.
  • Wir versuchen, die Sichtweise des anderen zu verstehen, auch wenn wir sie nicht immer gutheißen.
  • Wir sind offen und neugierig und freuen uns über Menschen aus anderen Kulturen oder schwierigen Lebensumständen.
  • Unterlegene genießen unseren Schutz.
  • Wir grenzen niemanden aus, sondern versuchen herauszufinden, warum es Probleme gibt.
  • In unserem Haus gibt es „goldene Regeln“, die für alle verbindlich sind und nicht verhandelt werden. Daran halten wir uns.
  • Unsere Grundregeln gelten für Kinder und Erwachsene.

Wir vertrauen einander und sehen uns täglich darin bestätigt, dass es gelingen kann, Fremde zu integrieren. Unser bestes Beispiel ist Dita. Sie ist 22 Jahre alt, aus ihrem Heimatland Albanien geflüchtet und lebt seit 2014 in einer städtischen Flüchtlingsunterkunft. Sie kam zu uns, sprach wenig Deutsch und begann, bei uns in der Küche zu arbeiten. Sie fasste Vertrauen, ging Beziehungen zu ihren neuen Kolleginnen ein und lernte die Abläufe in der Kita sehr schnell kennen. Wir erweiterten ihren Arbeitsbereich und trauten ihr zu, Kinder in Kleingruppen zu betreuen. Sie wuchs an ihren Aufgaben, erweiterte ihren Wortschatz, verlor ihre Zurückhaltung und gewann Fröhlichkeit und Unbeschwertheit. Dita hat erlebt, wie ihr die Tätigkeit in der Kita und die damit verbundene Zuneigung, Akzeptanz und Anerkennung eine völlig neue Lebensperspektive aufzeigte. Daher möchte sie nun Erzieherin werden und hofft, dass sie in Deutschland bleiben darf. Wir unterstützen sie soweit wie möglich.

Im täglichen Miteinander von ungefähr 150 Menschen im System der Kita kommt es naturgemäß auch zu Spannungen – das wird jeder verstehen, der sich in größeren oder kleineren Gruppen bewegt. Diese Konflikte zu unterdrücken oder zu dramatisieren, verstärkt das Problem und steht in direktem Widerspruch zu unseren Erziehungszielen.Daher gilt für uns, einfühlsam und offen aufeinander zuzugehen, Konflikte sofort zu klären und die Grundregeln des menschlichen Miteinanders zu achten. Seit nunmehr 20 Jahren ist dies die Basis unserer pädagogischen Arbeit in der Villa Konfetti.

Ohne die intensive Zusammenarbeit mit so vielen Menschen, denen Empathie, Geduld, Fachkenntnis und Verständnis alles bedeutet, hätte ich meinen Beruf niemals so lange und begeistert ausüben können. Ich wünsche mir, dass es Ihnen leicht fallen möge, ihr Herz zu öffnen und Menschen ohne den furchtsamen Blick auf Herkunft und Kultur freundlich zu begrüßen. Ich habe damit die besten Erfahrungen gemacht.

Autorin: Gudrun Mütze von der Lahr, Leitung Villa Konfetti