Ein denkwürdiger Besuch in „Die Sang“

Ein denkwürdiger Besuch in „Die Sang“

Für uns stand schon lange fest, dass wir uns für Flüchtlinge in unserer Stadt engagieren wollten. Nicht zuletzt die TV-Berichte über die unsäglichen Leiden, welche die Flüchtenden auf ihrem langen Weg von Afghanistan oder Syrien über die Balkanroute bis nach Deutschland ertragen mussten, haben uns darin bestärkt, dass wir alles tun müssen, um diesen Menschen das Ankommen in einer völlig anderen Kultur, in einem anderen Klima, umgeben von Menschen, die eine andere Sprache sprechen und ihnen leider auch nicht immer wohlgesonnen sind, zu erleichtern.

Wir setzten uns mit der Stadt Rosbach in Verbindung und trafen uns am 7. März mit Herrn Augustin direkt in der damaligen Flüchtlingsunterkunft in „Die Sang“. Eine kurze Führung durch das Gebäude zeigte: Die über 30 Geflüchteten, teils Familien, teils Paare, teils Alleinstehende, mussten auf engstem Raum mit sehr wenig Privatsphäre zurechtkommen.

Unerwartete Gastfreundschaft

Als wir uns ins Büro zurückzogen um zu besprechen, welche Möglichkeiten der Unterstützung es gibt und wo die Not aktuell am größten ist, klopfte es nach wenigen Minuten an der Tür und ein Vater brachte uns mit seiner kleinen Tochter ein Tablett mit Tee, Kaffee und Gebäck. Soviel unerwartete Gastfreundschaft rührte uns.

Noch einmal 5 Minuten später klopfte es wieder und eine Dame brachte uns einen großen Teller Pommes Frites. Das ist umso beeindruckender, als dass die Flüchtlinge in diesem Gebäude keine Küche hatten, in der sie die Speisen hätten zubereiten können.

Wir hatten keine Ahnung, woher die Menschen überhaupt wussten, dass wir vor Ort waren, denn wir hatten bis dahin nur zwei kleine Kinder gesehen.

Spontane Hilfe bei der Einrichtung eines Laptops

Im Laufe des Gesprächs stellte sich heraus, das aktuell Hilfe beim Einrichten eines Laptops benötigt wird. Logisch, ein Laptop, den man hier kauft, wird standardmäßig mit deutschen Programmen ausgeliefert. Nun sprachen die Neuankömmlinge aber noch kein Deutsch und nicht genug Englisch, um nach der Installation die Anzeigesprache auf Persisch und Farsi umstellen zu können.

Auf dem Weg zur Familie, der dieser Laptop gehörte, sahen wir nur ein paar Kinder, die über die Flure liefen. Der Vater zeigte uns das Problem und wir versuchten, es direkt vor Ort zu beheben. Leider reichte die Internetverbindung per Mobiltelefon dafür nicht aus, da große Datenmengen heruntergeladen werden mussten. Wir boten dem Herrn an, dass wir seinen Laptop mit nach Hause nehmen und dort wunschgemäß einrichten würden. Wir versprachen ihm, dass wir ihm seinen Laptop noch am selben Abend wiederbringen würden. Uns überraschte seine zustimmende Antwort: Nicht jeder gibt einfach so einen nagelneuen Laptop, der von den geringen zur Verfügung stehenden Mitteln selbst gekauft wurde, an Wildfremde. Denn die waren wir für diese Menschen – Wildfremde, die ihre Hilfe anbaten. Ein gewaltiger Vertrauensvorschuss, den wir so auch nicht erwartet hätten.

Beeindruckende Deutsch-Kenntnisse

Am Ausgang kamen wir noch ins Gespräch mit weiteren Bewohnern. Einer von ihnen unterhielt sich in beeindruckend gutem Deutsch mit uns, während wir ihm auf Englisch antworteten, um die Umstehenden auch mit in das Gespräch einzuschließen. Er erzählte uns, dass er seit vier Monaten in Deutschland sei und seit zwei Monaten Deutsch lerne. Unglaublich! Wir könnten weder Arabisch noch Farsi in nur acht Wochen so lernen, dass wir uns auch nur annähernd auf einem so hohen Niveau unterhalten könnten.

Nachdem wir den Laptop aktualisiert hatten, haben wir ihn am selben Abend noch wieder zurück gebracht. Nicht nur der Vater, der uns das Gerät überlassen hatte, war uns sehr dankbar für die spontane Hilfe, auch und insbesondere seine Frau strahlte über das ganze Gesicht als sie sah, dass nun alles in Farsi auf dem Laptopbildschirm erschien.

Nach diesen kurzen Begegnungen waren wir umso überzeugter, dass wir unsere neuen Mitbürger in Rosbach und Rodheim unterstützen wollten. So viel Wärme und Offenheit erlebt man hierzulande leider nur noch selten. Obwohl wir Fremde waren, fühlten wir uns sehr willkommen in „Die Sang“. Unser Ziel ist es, den Neuankömmlingen ein ähnlich gutes Gefühl zu geben, wenn sie damit anfangen, unsere Stadt und ihre Bewohner besser kennenzulernen.

Autoren: Andrés Alvarez & Michaela Flint

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Interkulturelle Wochen

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Vielfalt. Das Beste gegen Einfalt.

So lautet das Motto der Interkulturellen Woche (IKW) 2016, die offiziell am Sonntag, den 25. September startet. Das Motto bezieht sich auf eine starke und selbstbewusste Zivilgesellschaft, die sich gegen die Einfalt durchsetzen wird. Es ist ein Motto, das bewusst die Millionen von Menschen stärkt, die sich für ein Zusammenleben in Vielfalt auf der Basis der Grund- und Menschenrechte einsetzen.

In der Wetterau wird die IKW auf  einen ganzen Monat ausgedehnt. Bereits seit 16. September gibt es im Wetterauskreis Veranstaltungen im Rahmen der Interkulturellen Wochen. Einen Überblick erhalten Sie online oder im PDF zum Download.

Auf einzelne Veranstaltungen im Umkreis von Rosbach werden wir im Terminkalender gesondert hinweisen.

Über die  bundesweiten IKW-Veranstaltungen können Sie sich hier informieren.

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Die Frankfurter Neue Presse berichtet regelmäßig in einem Schwerpunkt über die Flüchtlingshilfe im Wetteraukreis.

Ein Blick hierein lohnt sich!

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Fragen zur Flüchtlingsunterbringung und -betreuung

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Antworten auf Ihre Fragen rund um die Flüchtlingsunterbringung und -betreuung in Rosbach und Rodheim beantwortet Ihnen die Stadt Rosbach auf ihrer Website.

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